Helft Sandra / @AliceVanWunder – Letztes Kapitel

Was bisher geschah: Christian Franke alias @arschhaarzopf konnte Sandra nach bitteren fünf Tagen im Frauengefängnis Berlin-Lichtenberg durch Spenden von insgesamt 152 Leuten, die unserem Aufruf auf Twitter gefolgt sind, aus der Ersatzhaft auslösen. Das ist sehr erfreulich. Wir kennen inzwischen die näheren Umstände ihres nicht bezahlten Strafbefehls von 1.800 € und es besteht für uns kein Zweifel mehr, dass es wichtig und gut war, zu helfen. Mehr dazu weiter unten.

Bleiben wir zunächst in der Gegenwart: Wir haben einen Überschuss von sagenhaften 1.632,20 € in der Spendenkasse (Genaueres dazu auf Christians Blog >>). Christian und ich haben gestern länger telefoniert und möchten dieses Geld nun zu gleichen Teilen dem Weißen Ring und der Deutschen Krebshilfe zukommen lassen.

Die Entscheidung für den Weißen Ring ist hoffentlich leicht nachzuvollziehen: Wir bleiben dem Thema Strafe und Gefängnis treu und spenden für einen Verein, der Opfern von Kriminalität hilft und Täter-Opfer-Ausgleiche anbahnt, eine Maßnahme, die in der Regel für alle Betroffenen weitaus besseres bewirkt als Standardstrafen.

Mit der Entscheidung für den zweiten Kandidaten Deutsche Krebshilfe entfernen wir uns vom Thema und nehmen damit schlicht und ergreifend den häufigsten Satz auf, den wir im Lauf der Aktion zu hören bekamen: „Man könnte das Geld doch auch ganz anders verwenden“. Richtig, man kann. Und wir tun es. Und wir sind sicher, dass es auch noch tausend weitere sinnvolle Varianten gäbe.

Was uns am wichtigsten war: Das Geld geht an zwei Vereine, die ihre Arbeit schon lange machen, als absolut skandalfrei gelten und Anliegen vertreten, die aus unserer Sicht über jeden Zweifel erhaben sind. Christian wird die Einzahlungen dokumentieren.

So viel zum letzten Kapitel. Wir möchten allen Spendern und Unterstützern noch einmal herzlich danken. Für die, die es interessiert, möchte ich die ganze Geschichte im Folgenden noch einmal aus meiner Sicht zusammenfassen, auch um herauszustellen, was Christian hier alles geleistet hat.

Die Geschichte, wie ich sie erlebt habe
Am Donnerstag den 4.7. bekam ich einen Anruf meiner Twitterfreundin @AliceVanWunder / Sandra: Sie sei gerade wegen eines nicht bezahlten Strafbefehls über 1.800 € auf dem Weg ins Gefängnis, wo sie, wenn die Summe nicht bezahlt würde, für vier Monate bleiben müsste (nennt sich „Ersatzhaft“). Eine Polizeibeamtin, mit der ich über Sandras Handy sprechen konnte, bestätigte alles und beantwortete Detailfragen. Ich fiel aus allen Wolken.

Mein Dilemma: Einerseits konnte ich, obwohl ich nichts genaues über die Hintergründe des Strafbefehls wusste, den Hilferuf einer Freundin unmöglich ignorieren. Andererseits musste ich am nächsten Tag ein Manuskript abgeben und wollte am übernächsten Tag eine lange geplante Urlaubsreise antreten. Ich wandte mich in meiner Not (auch auf Sandras Vorschlag hin) an @arschhaarzopf / Christian Franke, einen Menschen, der allein schon von Berufs wegen als erfahrener Problemlöser gilt. Christian und ich stimmten uns kurz ab und beschlossen, eine Spendenaktion zu starten.

Ab diesem Zeitpunkt übernahm er die ganze Arbeit. Er schrieb nicht nur den Spendenaufruf, kommunizierte mit Spendern und kümmerte sich um die Buchführung, er übernahm auch noch die nervige Laufarbeit. Als am 8.7. die Summe beisammen war, begab er höchstpersönlich ins ferne Berlin-Lichtenberg, um Sandra beim dortigen Amtsgericht durch eine Bareinzahlung auszulösen und den Einzahlungsbeleg zum Gefängnis zu bringen. Darüber hinaus hielt er während der ganzen Zeit sein breites Kreuz hin, sowohl für berechtigte kritische Fragen, als auch für haltlose Vorwürfe und üble Beschimpfungen.

Ich hatte derweil nichts weiter zu tun, als Anrufe von Sandra entgegenzunehmen und sie auf dem Stand zu halten. Mein Manuskript wurde fertig und ich konnte meinen Urlaub mit dem Gefühl antreten, dass die Angelegenheit in besten Händen war. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich für Christians großen Einsatz bedanken. Er war da, als man ihn brauchte. Und wie. Selten hat mich ein Mensch so beeindruckt.

Die Antwort auf eine wichtige Frage
Völlig zu recht wurde uns immer wieder die Frage gestellt, wie es denn zu dem Strafbefehl kommen konnte und ob es, Freundschaft hin oder her, nicht richtig sei, dass jemand für seine Verfehlungen gerade steht. Wir müssen zugeben, dass unsere Entscheidung, das Geld für den Strafbefehl zu sammeln und Sandra vier Monate Haft zu ersparen, zunächst eine reine Bauchentscheidung war. Wir hatten keine Ahnung, was sie getan hatte, nur das vage Gefühl, dass Sandra, so wie wir sie kannten, es unmöglich verdient haben konnte, vier Monate im Gefängnis zu sitzen.

Inzwischen wissen wir um die näheren Umstände. Man kann es mit zwei Sätzen zusammenfassen: 1. Sandra wurde ganz übel mitgespielt. 2. Dass der Strafbefehl überhaupt rechtskräftig wurde, liegt an einer Verkettung sehr widriger Umstände. Ich muss sogar meine auf Twitter getätigte Aussage, Sandra hätte die Gerichtspost „verschlunzt“ zurücknehmen. Für Christian und mich gibt es keinen Funken Zweifel mehr, dass es das einzig richtige war, sie aus dieser Situation herauszuholen. Wer die Details unbedingt wissen will, kann sie natürlich selber fragen. Aber vielleicht muss es auch gar nicht sein ...

Ende gut, alles gut und jetzt beginnt eine neue, hoffentlich bessere Geschichte für Sandra.