Interview

Herr Sachau, sechs erfolgreiche Comedy-Romane in Folge. Sie waren früher in der Schule bestimmt der Klassenclown, oder?

Nein, nein. Ich habe immer davon geträumt der Klassenclown zu werden, aber andere waren besser.

Woran lag es?

Ich war nicht schlagfertig genug. Brauchte immer mindestens eine Minute, um mir meine tolle Hammerpointe zurechtzulegen. Dann war die Situation aber schon längst vorbei. Ein guter Klassenclown ist nicht nur kreativ, sondern auch blitzschnell. Zum Glück war ich immer in Klassen mit super Klassenclowns.

Haben Sie sich deswegen später auf das Schreiben verlegt? Weil sie da mehr Zeit haben, sich die Dinge zurechtzulegen?

Vermutlich ja. Ich brauche einfach ein paar Minuten. Allerdings sitze ich jetzt öfter bei Lesungen auf der Bühne. Und manchmal gelingt mir da auch mal was spontanes. Dann bin ich immer sehr stolz und denke mir „ha, ich wäre doch ein guter Klassenclown gewesen“.

Ihre letzten Bücher landeten alle auf der Spiegel-Bestsellerliste. Haben Sie ein Erfolgsrezept?

Nicht dass ich wüsste. Vielleicht mögen die Leute meine Hauptfiguren?

Mögen Sie selbst denn Ihre Hauptfiguren?

Oh ja, sehr gern sogar!

Ich frage mal ganz dreist: Oliver Krachowitzer, der Held aus "Kaltduscher" und "Linksaufsteher", sind sie das selbst?

Nicht ganz. Oliver hat dermaßen die Ruhe weg, da kann ich noch viel von ihm lernen. Anderseits ist der Kerl ein bisschen arg phlegmatisch. Da bin ich gerne anders. Ansonsten sind wir uns sehr ähnlich.

Über welche Dinge lachen Sie am liebsten?

Ganz ehrlich? Über Slapstick im Alltag. Ganz schlimm. Da kann jemand Hinfallen und sich richtig, richtig weh tun – wenn es ein guter Sturz war, stehe ich neben ihm und lache mich kaputt. Das ist insofern etwas seltsam, weil ich im Gegensatz dazu Gewalt und Schmerz in Filmen nur ganz schlecht vertragen kann. Die spüre ich beim Zugucken fast am eigenen Leib.

Eine Abneigung gegen Gewalt in fiktiven Handlungen, ist das vielleicht der Grund für Ihre Vorliebe für komische Stoffe?

Kann gut sein. Ich erinnere mich, ich habe als Kind herausgefunden, dass es nur ein Art Film im Fernsehen gab, bei der ich vor Gewaltszenen sicher war: Komödien. Wenn „Abenteuerfilm“ oder „Spielfilm“ in der Fernsehzeitung stand, musste man immer mit ein bisschen Gewalt rechnen. Am allerliebsten mochte ich die Filme mit Louis de Funes. Seinen „Rabbi Jakob“ finde ich noch heute grandios. Und das, obwohl da sogar eine Gewaltszene drin ist.

Kann man aus Filmkomödien etwas lernen, wenn man, wie Sie Comedy-Romane schreibt? Oder sind Bücher etwas ganz anderes?

Doch, das kann man sehr gut. Zum Beispiel, dass es nicht reicht, sich nur eine gute Pointe auszudenken. Man muss sie auch perfekt servieren. Dabei sind vor allem Perspektive und Tempo entscheidend. Wenn einem das beim Schreiben ähnlich gut gelingt wie Ernst Lubitsch, Blake Edwards oder Richard Curtis in ihren Filmen, hast du gewonnen. Auch die Dialoge kann man gar nicht oft genug studieren.

Ihr Lieblingsfilm?

Müsste ich mich entscheiden, dann „Sein oder Nichtsein“ von Lubitsch.

Und ihr Lieblingsbuch?

Ich schwärme für zwei Autoren die sehr bekannt sind: Wolf Haas und Douglas Adams. Und für zwei andere, die, finde ich, viel zu wenig bekannt sind: P.G. Wodehouse und Jan-Uwe Fitz.

Kommen wir zu ihrem neuen Buch. In "Andere tun es doch auch" geht es um die typischen Missverständnisse zwischen Mann und Frau. Haben Sie da etwa aus Ihrem eigenen Erfahrungsschatz geschöpft?

Nun ja, auch. Auf die Idee mit der Mann-Frau-Wechselperspektive haben mich aber vor allem diese merkwürdigen Lebensregelbücher gebracht, die im Moment sehr beliebt sind. Zum Beispiel „Er steht einfach nicht auf dich“ oder „The Rules“. Dort wird behauptet, dass es in Liebesdingen ein paar sehr primitive Regeln gibt, die angeblich immer gelten. Zum Beispiel: „Ruf nie selbst bei einem Mann an, der dich interessiert. Wenn er dich nicht anruft, steht er nicht auf dich“. Peng, aus, fertig. Ich hoffe, meine Geschichte zeigt, dass man sich mit diesem Verhalten ganz prima unglücklich machen kann. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, diese Lebensregelbücher wollen die 50er-Jahre zurück. Duldsame passive Frauen, die auf Mr. Right warten und sich damit zum gefundenen Fressen für die zahlreichen Mr. Wrongs machen.

Sie mögen aktive Frauen?

Ja. Sehr. Und aktive Männer ebenfalls. Dass sich zwei aktive Menschen ineinander verlieben ist die ideale Konstellation. Die brauchen weder glückliche Zufälle, noch diesen ominösen „richtigen Moment“ um sich zu finden. Im echten Leben ist das toll, als Romanstoff allerdings leider viel zu langweilig.

Sind Sie selbst ein aktiver Mann?

Ähm, (hüstelt) sagen wir, das kommt auf die Tagesform an.

Arbeiten Sie wenigstens aktiv an einem neuen Buch?

Ja. Wieder ein Comedyroman. Er hat den schönen Titel „Hauptsache es knallt“ und es geht um eine chaotische Hochzeit. Außerdem schreibe ich parallel an einem Fantasy-Roman. Neuland für mich. Macht aber großen Spaß.

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